Die CI-SHG Hagen führte nach dem 8. CI-Symposium in St. Wendel ein Interview mit Dr. Seidler. Das Video befindet sich schon auf dieser Page. Hier finden Sie die Textfassung-

Das Interview führte Marion Hölterhoff, Leiterin der CI.SHG Hagen:

Marion:

Herr Prof. Seidler, herzlichen Dank, dass Sie uns noch für ein Interview zur Verfügung stehen.
Wir hatten ja hier den 8. Ci- Symposiumstag in St. Wendel und als Zuhörer habe ich den Eindruck, dass der Tag sehr erfolgreich war.

Ich hätte gerne ein kleines Statement dazu.

Dr. Seidler

Ja. Also, wir haben in der Tat zum 8. Mal an 2 Tagen, hier in St. Wendel unser Ci- Symposium gemacht und das Schöne war, diesmal gab es völlig neue Themen.
Auch die dynamische Weiterentwicklung der CI- Versorgung ist nicht nur bei den Referenten, sondern auch bei den zahlreichen Diskutanten deutlich geworden.

Wir sehen, dass auf der einen Seite unglaublich viele technische Neuerungen entwickelt werden – wir haben alleine hier zwei völlig neue Informationen, die erstmals hier von Firmen bekanntgegeben wurden, gesehen – aber wir haben auch im Bereich der Indikation für die Cochlea Implantation gesehen, dass z.B. die einseitige Ertaubung heute fast die Regelversorgung ist- das war vor 4 – 5 Jahren noch ganz anders, da wurde noch heftigst darüber diskutiert- und das sogar dann auch Reste nicht nur erhalten werden, sondern dass diese auch zunehmend gefördert werden, auch im Zusammenhang mit einem CI bei elektrisch, akustischer Stimulation.

Also von der Seite war das sehr deutlich zu sehen, wie dynamisch das ist.

Der 2. Bereich war der Bereich, dass wir in der Rehabilitation auch deutliche Änderungen erleben. Zum einen wird die Rehabilitation für Berufstätige immer wichtiger. Unter dem Stichwort medizinisch beruflich orientierte Rehabilitation müssen wir von Anfang an auch das Ziel haben, die Rehabilitation in kurzer Zeit abzuschließen. Wir sagen, wenn man es optimal machen kann, dann kann man nach 3 Monaten bei einem Großteil, ca. 60-70%, tatsächlich eine berufliche Wiedereingliederung erreichen.

Das ist ein wichtiges Thema, aber dazu muss die Qualität stimmen.

Wir konnten das Projekt Ausbildung zum CI- Spezialist / CI- Ingenieur vorstellen, das wir im Oktober in Saarbrücken begonnen haben und das den Mangel an Spezialisten ausgleichen helfen soll.

Wir sagen, CI- Ingenieure können nur da ausgebildet werden, wo auch die CI. Träger behandelt und rehabilitiert werden. Das war der Grund, warum wir diesen Ausbildungsgang im Saarland angeregt haben.

Marion :

Ja, ich denke, da ist ein ganz, ganz großer Bedarf. Ich sehe ja, das in – ich bin zwar nicht in Hannover implantiert worden, aber ich habe in meiner SHG Menschen aus Hannover, die dort überhaupt nicht mehr versorgt werden können, in der Nachsorge, weil einfach keine Kapazitäten da sind und dann eben diese Auslagerung in Richtung Hörgeräteakustiker erfolgt, was aber für die Betroffenen sehr unbefriedigend ist.

Dr. Seidler

Natürlich sehen wir auch, dass die Hörgeräteakustiker auch berufspolitisch sehr stark in Richtung CI- Versorgung drängen. Es gab gerade in den letzten Wochen zahlreiche Gespräche, auch mit den Verbänden der Gehörgeräteakustiker, BIHA und EUHA. Aber klar ist auch, dass die Einstellung eines Cochlea Implantats etwas ganz anderes ist, als die eines Hörgerätes. Sodass wir also hier aufpassen müssen, dass wir die Qualifikation für die CI Einstellung, insbesondere der Ersteinstellung, doch nicht in die Hand eines Hörgeräteakustikers alleine geben, ohne Zusatzqualifikation, sondern das wir hier die Kenntnisse von Wechselwirkung zwischen elektronischen signalverarbeitenden und biologischen Strukturen voraussetzen.

Das kann nicht ein Handwerksberuf alleine machen. Aber wir können natürlich die Hörgeräteakustiker gut gebrauchen, wenn es um die Nachsorge geht, wenn es um die Nacheinstellung geht, um die technische Überprüfung. Ob Filter gewechselt werden, ob Kabel in Ordnung sind, das kann man selbstverständlich unter Hörgeräteakustiker machen.

Die eigentliche Einstellung, vor allem die Grundeinstellung, die muss doch in der Hand eines Ingenieurs sein.

Marion:

Was ich sehr faszinierend fand war auch, – ich war ja letztes Jahr bei Ihnen in der Reha gewesen, dass sich da eine ganze Ecke geändert hat, dass auch die Inhalte völlig anders geworden sind und – ja, eigentlich könnte ich jetzt schon wieder kommen.

Dr. Seidler:

Ja,- also, das sehen wir auch so. Es ist unglaublich, mit welcher Dynamik das Ganze entsteht. Wir haben mittlerweile über 85 Kliniken in Deutschland, die Cochlea implantieren. Das war noch vor 2, 3 Jahren vielleicht 30. Also da ist eine ordentliche Dynamik aber darin steckt ja auch die Gefahr, dass man einfach operiert und sich nicht darum kümmert, was passiert hinterher mit dem Patienten.

Wir haben ja den schönen Vortrag von der Psychologin, Frau Grewenig, die auch ganz klar gezeigt hatte, dass mit dem CI- Patienten, während der Erstanpassung und danach unglaublich viel auch psychologisch passiert. Und das muss begleitet sein.
Das kann ich nicht einfach mit einer Einstellung alle 2, 3, 4 Wochen erledigen und den Patienten dann noch Hause schicken, wo er alleine damit klarkommen muss, welche Veränderungen sich ergeben, nicht nur des Hörens, sondern auch der Persönlichkeit, der Einstellung zur Kommunikation und zu neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Das muss begleitet werden.


Marion:

Ich bin ja sehr aktiv in der Selbsthilfe und merke nun gerade, auch im Zusammenhang mit den 85 Kliniken, wie allein gelassen die Patienten oft sind. Das wirklich oft nur operiert wird aber über die Nachsorge wird nicht gesprochen. Da ist ein ganz großer Beratungsbedarf-

Dr. Seidler

Da sagen wir, wir haben ja die Möglichkeit in der Bosenberg Klinik, diese Erstanpassung direkt hier bei uns zu machen.
Das heißt, wenn die Kliniken operieren und sie haben kein Reha-Team, dann können die Patienten direkt zu uns kommen, für 5 Tage und hier eine qualifizierte Erstanpassung bekommen. Dann können wir sicher nicht das gesamte Hörfeld, bzw. die gesamte Hörentwicklung fördern aber wir können eine sehr solide Basis legen, mit der man dann nachher ambulant auch weiter machen kann.  Das ist die Überlegung bei der Geschichte.

Marion:

Gut. Ich danke Ihnen. Da haben wir noch eine schöne Zusammenfassung bekommen, der wirklich interessanten 2 Tage und ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Dr. Seidler:

Das wünsche ich Ihnen auch

Texterfassung und Anpassung: Peter G.A. Hölterhoff - Alle Rechte vorbehalten

Die CI- Selbsthilfegruppe Hagen

Die HörschneckenDas erste Treffen der CI- SHG Hagen_6

Wenn Sie

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Kontakt:

Leitung: Marion Hölterhoff ,  Tel. 02374752186
Stellvertretung: Dieter Fraune, Tel. 02333/89126
E-Mail: ci-shg-hagen@civ-nrw.de   

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